Erneuerbare Geistliche Kraft

Eine stillgelegte Tankstelle

In meiner Gemeinde höre ich oft den Begriff „auftanken“. Die Idee dahinter ist, Kraft von Gott zu empfangen, damit man die Arbeit des Lebens bewältigen kann. Es gibt sogar einen Wochenplan. Man kommt in den Gottesdienst am Sonntag, um geistliche Energie zu bekommen, um aufzutanken. Die am Sonntag gewonnene Kraft wird dazu verwendet, die Woche hoffentlich ohne großen Schaden durchzustehen, damit man am nächsten Sonntag alles noch einmal von vorn wiederholen kann.

Ich bin nie ganz zufrieden mit dieser Betrachtungsweise gewesen. Einiges dabei finde ich richtig, z.B. der Gedanke, dass wir ohne Gott nichts tun können (Johannes 15,5). Allerdings, andere Fragen haben sich in meine Gedanken oft eingedrängt. Ist es nicht möglich, unter der Woche aufzutanken? Sollen wir nicht in der Lage sein, selber aufzutanken? Braucht man dafür den Pastor und den Gottesdienst?

Heute ist ein anderer Gedanke durch meinen Kopf gegangen, was das ganze Konzept des Auftanken-Modells sprengen könnte. In Johannes 4,34 sagt Jesus „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe“. Mein Gedanke ist folgendes. Das „Auftanken“ Konzept stellt ein System dar, das uns sehr vertraut ist. Man isst etwas und gewinnt dadurch Kraft. Die Kraft wird wiederum ausgegeben, um Arbeit zu leisten. Der Zyklus wiederholt sich bis zum Lebensende.

Was Jesus sagt, stellt dieses Konzept in Frage. Er differenziert nicht zwischen Arbeit einerseits und Speisen andererseits. Für ihn sind beide das gleiche. Während wir Essen und Arbeit als zwei verschiedene Dinge betrachten sah sie Jesus als eine. Ich habe keine detaillierte theologische Ausarbeitung anzubieten nur einen simplen Gedanken. Kann es sein, dass die Arbeit, die wir für Gott tun, wenn richtig gemacht, eine Art erneuerbare geistliche Energie ist?

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Comments

  • Ich sehe es genauso. Seit langem überlege ich, ob etwas fundamental in unserer Weltanschau verkehr ist, wenn es um Arbeit Gott gegenüber geht. Wir betrachten Arbeit als etwas fremdes, etwas belastendes, etwas, das erledigt werden soll und am Besten auf dem Weg geräumt werden.

    Eine neue Perspektiv sieht Arbeit und Gehosam Gott gegenüber als existentielle Teil unseres Daseins und nicht ein “Fremdkörper”. Meine Gedanken sind noch nicht ausgegoren. Teilweise sind sie inspirierte von dem Buch “With: Reimagining the Way You Relate to God” von Skye Jethani, http://www.amazon.de/Reimagining-Way-You-Relate-God/dp/1595553797/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1330610782&sr=8-3.

    Darin erläutert Jethani vier Haltungen gegenüber Gottm die er unter Christen beobachtet: “From God”, “Over God”, “For God” and “Under God”. Dabei argumentiert er für eine andere Haltung “With God”. Ich bin aber mit dem Buch nicht fertig.


  • Daniel says:

    Hey Andy, wirklich inspirierende Gedanken. Ich denke er macht auf etwas wichtiges Aufmerksam, nämlich, dass Arbeit nicht nur Kraft kostet, sondern auch Kraft schenkt. Trotzdem kannte auch Jesus den Rhythmus von Arbeit und Ruhe, nahm sich Auszeiten, zog sich zurück, verweilte alleine im Gebet. Von daher finde ich es schon wichtig, dass wir nicht nur arbeiten, sondern auch innehalten, nachdenken, zuhören und uns neu ausrichten.


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